03/3/2010 apropos "gelebtes Leben..."

Begeistert halte ich einen speziellen Bildband in den Händen.

 

Von je her favorisiere ich als Lektüre Biografien, Tagebücher und Kunstbände. Nichts fasziniert mich mehr, als Entwicklungsgeschichten zu verfolgen. Überhaupt bin ich davon überzeugt, dass jedes Leben - und sei es auf den ersten Blick noch so sehr als „alltäglich“ zu taxieren – Stoff für eine interessante Story bietet.

 

Der allererste Satz aus dem amerikanischen Tagebuch von Mueller-Stahl bekräftigt mein Empfinden. Sich zu bücken, sei der einzige Effort um eine realisierbar Filmgeschichte aufzulesen, behauptet Mueller-Stahl gegenüber einem befreundeten Drehbuchautor.

 

Dass es wirklich möglich ist, beim ersten besten Menschen den er trifft, auf eine spannende Story zu stossen, beweist sein Buch „VENICE“. Ich konnte nicht anders, als am Tisch sitzend – VENICE ist ein grosser, schwerer Bildband – die ganze Geschichte in einem Zuge zu lesen. Die Bilder des Künstlers Mueller-Stahl ausgiebig zu betrachten ist immer wieder angesagt und fordert wesentlich mehr Zeit als das Lesen.

 

Mich beeindruckt einerseits die unwahrscheinliche Vielseitigkeit von Armin Mueller-Stahl als Schauspieler, Filmemacher, Musiker, Autor und bildender Künstler.

Andererseits steht dieses Buch für mich als Paradebeispiel für die Tatsache, dass die nähere Betrachtung von gelebtem Leben mit seiner Fülle, so anziehend und fesselnd wie ein Film ausgestaltet ist – oder und überhaupt noch viel mehr...


05/2/2010 apropos "Liebe..."

Auf den letzten Zug gehen

hiesse

noch ein bisschen zusammensitzen

und etwas trinken

mit dem Sänger

und seiner Frau

und den alten Bekannten.


Auf den vorletzten Zug gehen

hiesse

noch ein bisschen zusammensitzen

und etwas trinken

mit dir

denn du würdest noch auf mich warten

und holtest mich ab

am Bahnhof.


Ohne zu zweifeln

drücke ich hastig die Hand

dem Sänger

der Frau

und den alten Bekannten

und renne

so schnell ich kann.

 

„Liebe“ Franz Hohler


12/8/2009 apropos "Schenken..."

Es gibt ein kleines Buch, dass sich Menschen die sich wirklich mögen, schenken. Auch ich habe es schon ein paar mal geschenkt gekriegt. So bald ich es weiter gebe, kommt es auf wunderbare Weise wieder zurück. Eigentlich bin ich nie ohne dieses Büchlein.

Überraschend, dass dieses Heft „erst“ 665 000 mal über den Ladentisch ging – der Verlag partisch & röhling hat alle Rechte bei sich, sonst würde ich fürs Leben gerne diese, von einem unbekannten Verfasser geschriebene Geschichte, hier nacherzählen...

 

Übrigens: die Verlagsgeschichte selbst ist echt goldig – bitte hier nachlesen :-)

 


19/3/2009 apropos "Fragezeichen..."

Fragebogen - eine Leidenschaft für sich.

Von Marcel Proust und Max Frisch genährt wagt sich jemand aufs Neue, seine Fragen zur eigenen Persönlichkeit zu stellen:

"Wer bin ich" fragt Rolf Dobelli und stellt dabei das eigene Tun und Lassen in Frage.

Spannend. JedeFrau, JederMann erfährt durch zahlreiche Fragen mehr von sich selber und wird zugleich überrascht durch die Art wie sie/er sich Antwort gibt.

"Beschreiben Sie in Stichworten die Vor- und Nachteile von Wahrheit."

"Was wissen Sie mit Sicherheit?"

"Haben Sie schon sinnlose Projekte in Ihrer Firma sabotiert?"  "Warum nicht?"

"Ab welchem Alter schliessen Sie aus, dass Sie sich noch einmal - und sei es aus purer Albernheit - verlieben werden?"

.... und weitere 772 Fragen

 

 


17/7/2008 apropos Liebesbrief

Noch nie verliess ich die Buchhandlung ohne einen zusätzlichen Überraschungskauf. Nachdem ich bereiz bezahlt habe, ist mir diesmal das Titelbild des Bücherstapels neben der Kasse ins Auge gestochen. Diese Frau – irgendwoher kenne ich diese Frau. Nicht persönlich, doch vom Sehen her.
Ingrid Betancourt!
Ihr Buch „Meine liebe Maman…“ kommt sofort zu den Einkäufen hinzu.

Vergangene Nacht, beim Lesen des kleinen Bändchens – es sind knapp 80 Seiten – beeindruckten mich die Worte dieser Frau/Mutter/Tochter/Freundin aufs Äusserste.

Die Gefangenen erhielten im vergangenen Herbst den Auftrag, als Lebenszeichen einen Brief zu schreiben. Nach jahrelanger Gefangenschaft im kolumbianischen Dschungel, nach Jahren des Schweigens, nach Jahren voller einschneidenden Entbehrungen, nach Jahren der Erniedrigungen und Kämpfen, bekamen die Gefangenen endlich die Möglichkeit das Wort nach Aussen zu richten.

Die blitzgescheite Frau Betancourt widmet ihr Schreiben an die Menschen die ihr am meisten bedeuten. Sie schildert nicht nur ihre unsägliche Lebenssituation, vielmehr gibt sie ihrer Mama, ihren Kindern und der Familie zu spüren, wie sehr sie an deren Leben und Wohlergehen Interessiert und wie tief ihre Liebe und Zuneigung für sie alle ist. Keine Plattitüden, keine Weinerlichkeit – Worte der echten Verbundenheit bringt sie zu Papier. Ein Liebesbrief. Trotz der grausamen Realität zeigt hier eine Mutter/Tochter/Liebste/Freundin/ ihre starken Gefühlen für ihre Liebsten. Sie gibt ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht auf. Ingrid Betancourt ist in jedem Satz als Mensch wahrzunehmen - als Mensch wie du und ich.

Nebst der Familie hat dieser Bericht alle Andern die ihn zu lesen bekamen, aufs tiefste erschüttert und aufgerüttelt – auf einmal wurden Wunder möglich…

Ingrid Betancourt „Meine liebe Maman…“ Lange Müller Verlag ISBN 978-3-7844-3147-5

Lesen, lesen, lesen


10/6/2008 apropos: Lust auf ein Bilderbuch?

Daniela Kulot erzählt mit knappen Worten und lustvollen Bildern die hinreisende Liebesgeschichte zwischen zwei völlig unterschiedlichen Individuen, die sich unter normalen Umständen kaum begegnen können…

Zum Selberlesen und sammeln uuuund vor allem zum Verschenken:

 

 

Daniela Kulot
Ein Kleines Krokodil mit ziemlich viel Gefühl
Verlag: Thienemann


17/5/2008 apropos "echte Trouvaillen"

Zum Wilhelm-Busch-Jahr, sein Todestag jährt sich heuer zum 100. mal, suchte ich ein Buch ohne die bekannten Lausbubengeschichten von Max & Moritz und Co.

Von echten Trouvaillen verfolgt, stiess ich auf den kleinen aber feinen Kindermann Verlag.
Barbara Kindermann publizierte vor ein paar Wochen den von Klaus Ensikat auf eindrücklichste Weise illustrierten Bildband „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“. Wilhelm Busch erfuhr hier nun wirklich alle Ehre – in den Tuschzeichnungen wurden nicht nur Gedichte illustriert. Vielmehr durchwandert der grosse Meister selber, in unterschiedlichen Lebensaltern, dieses fabelhafte Werk.

Kinder, Wilhelm Busch Liebhaber und Bilderbuchsammler finden hier zu gleichen Massen ein bezauberndes und für sie wertvolles Buch.

Den kleinen Verlag „Kindermann“ entdeckt zu haben ist für mich selber wirklich himmlisch. Die Verlegerin und Autorin Barbara Kindermann veröffentlicht klassische Literatur in mannigfachen künstlerischen Illustrationen und achtet auf rundum einzigartig schöne Bildbände. Jedes Buch in Halbleinen gebunden, sorgfältig und wunderschön gestaltet, wie schon erwähnt einzigartig illustriert, mit hochwertigem Print: die ganze Buchreihe lauter Kleinode auf die ich nicht mehr verzichten möchte.

Zum Buch
Titel: Es sitzt ein Vogel auf dem Leim ...
Autor: Wilhelm Busch
Illustrator: Klaus Ensikat
Verlag: Kindermann Berlin
Reihe: Poesie für Kinder (Sonderband)
ISBN: 978-3-934029-29-3

32 S., 21 x 28 cm
Halbleinen, Pappband matt kaschiert
Fadenheftung, durchgängig 4-farbig
sFr 27,80

20/5/2007 Archiv 22.04.2007

 

apropos: "Zeitreise..."

Die Buchhändlerin legte mir ein besonders schönes Exemplar in die Hände: kein Taschenbuch – gebunden ist’s und doch passt es tiptop in alle Taschen uuund vor allem in meine kleine Hand, denn loslassen, nein loslassen kann dieses besondere Buch glaub niemand – und ich schon gar nicht - ohne es am Stück bis zum Schluss gelesen und ausgekostet zu haben.

Benommen, benebelt – oder sollte ich sagen: beglücktbedrückt bin ich nach der Lektüre der allerschönsten Liebesgeschichte dieser Zeit. „Die Frau des Zeitreisenden“ hat mir den Atem genommen – für fast nichts Anderes blieb mir in den letzten Tagen Zeit*.

Um es vorweg zu nehmen: sentimental ist diese Liebesgeschichte nicht. Vielmehr zeigt sich in der Geschichte um die Kunststudentin Clare und den Bibliothekar Henry, nebst der Zeitreise-Komponente, die Liebe in ihrer realsten Art und Weise. Wunderschöne Liebeserlebnisse neben unvermittelten Trennungen durch Henrys Zeitreisen und den Spannungen die Leben eh mit sich bringt, wird diese Beziehung mit all ihren Up and Downs so durch gestanden und weiterentwickelt, dass sie über all die Jahre hin eine beglückende Liebebeziehung bleibt. Vermutlich ist das Geheimnis einer grossen Liebe eh die Tatsache nicht immer konstant beieinander zu sein – sich im Leben auch alleine zurechtzufinden und eigene Projekte verwirklichen zu können. – immer im Bewusst sein geliebt zu sein…
Aber bitte lest selbst – es lohnt sich.

Andrey Niffenegger
„Die Frau des Zeitreisenden“
S. Fischer Verlag
 

 

 

 


06/3/2007 apropos lesen, lesen und noch einmal lesen

Demnez. Ursprünglich ein Tabuwort – heute in aller Munde – und trotzdem sind Begegnungen mit angehörigen Menschen die an einer Demenz erkrankt sind, oft äusserst schwierig.

Betroffen sein – Berührt sein – Schutzlos sein.
Annette Pehnt nimmt diese Wehrlosigkeit auf und gestaltet einen Liebesroman mitten in diesem Milieu.
Mich überrascht die Sensibilität in der die Autorin die unterschiedlichsten Szenarien zu schildern weiss.

In einer der reizendsten Schlüsselszenen geht es um Folgendes:
Das Kind des Protagonisten, ein Wochenendvater, will den Opa besuchen. Den Opa an den die Kleine die allerschönsten Erinnerungen hat, denn der alte Mann erzählte früher so wunderbare Märchen.
Wie sag’ ich’s nur meinem Kinde: der Professor-Opa ist längst nicht mehr der Mann der er einmal war und Besuche mag er eigentlich gar keine mehr. Das Kind setzt sich über Vaters Bedenken hinweg, zeichnet ein wunderschönes Bild für den geliebten Grossvater und steuert anderntags den Besuch bei Opa an.
Das Kind lässt sich von der eigentümlichen Situation in der sie Opa antreffen, nicht beirren. Ganz selbstverständlich und zutraulich wie eh und je fordert die Kleine ein Märchen vom alten Mann. Mit leuchtenden Augen nimmt der alte Mann seine Aufgabe an und erzählt dem Mädchen ohne Märchenbuch und voller Enthusiasmus die Geschichte von Rapunzel….

Ich bin total beeindruckt wie die Autorin die Situation erfasst hat und mit welcher Weisheit sie durch das Kind in die Vergangenheit des alten Mannes zurückgreift, wie sie den erkrankten Mann für einen Moment wieder den strahlenden, liebe- und humorvollen Opa/Vater sein lässt.

Gefühle zeigen, Freude ausleben und in den guten Momenten der Vergangenheit schwelgen: so können immer wieder Augenblicke gelingen, in denen demenzerkrankte Menschen ihre eigenen noch vorhandenen Stärken erleben dürfen.





06/1/2007 apropos "Dreikönigstag..."

Erst heute feiern wir den Gratulationsbesuch der Könige bei der Krippe.
Die Drei waren überzeugt im neugeborenen Kindchen etwas Ausragendes und Besonderes anzutreffen. Dementsprechend kostbare Geschenke hielten sie in ihren Händen. Gold, Weihrauch und Myrre sollen es gewesen sein.
Ein Anderer war auch mit drei Geschenken unterwegs – mit dem Kostbarsten das er selber besass: seiner Narrenkappe, einem Glockenspiel und einer wunderschöne Blume im Topf. Auf seinem Weg dem Stern entgegen, begegnete er Kindern, deren Schicksal ihn zu sehr berührten um tatenlos vorbeizuziehen. Er schenkte ihnen nach und nach all seine Kostbarkeiten.
Mit leeren Händen stand er schlussendlich vor der Krippe.
Leere Hände.
Sogar die Hirten brachten Brot, Milch und Wolle als Geschenke mit.
Nur einer hatte leere Hände.
In die Fürsorge dieser leeren Hände legte Maria für eine Weile ihr kostbarstes Gut



Als heutiges Coffee Table Book ausgesucht habe ich den
„Weihnachtsnarr“
Text: May Bolliger
Bildern: Gianni De Conno
Erschienen: bohem press
ISBN: 3-85581-404-X