Mütter von Jungs können einfach alles. DuploSchiffe auf Vordermann bringen, Hamster vor dem Abflussrohr retten, Fussbälle aufpumpen, Würmer an eine Angelhaken applizieren, Staumauern bauen, herrliche Geburtstagsfeste kreieren, Kriegsbemalungen schminken, gefährlich ausschauende Mullagen anfertigen, Nielen rauchen, zur richtigen Zeit das z’Vieri auftischen, Schürfwunden kurieren, Aufgabenhilfe leisten, Trösten, Zuhören, für die kuriosesten Schlaumeiereien der Jungs grade stehen, die Lehrer in Schach halten, an die Jungs glauben auch wenn Andere meinen Hopfen und Malz sei schon längst verloren, strahlen wenn Dinge glücken, stolz sein wenn die Jungs zu erfolgreichen Männern werden… …
Jajajajaaaa heftig nickend stimme ich meiner Freundin zu und alsbald schaukeln wir uns gegenseitig mit Profilierungsattributen so hoch, dass es im ganzen Raum komisch zu riechen beginnt. Während ich das Fenster öffne, frage ich mich insgeheim, was diese Auflistung all der tollen Fähigkeiten einer Mutter von Jungs, eigentlich soll. Selber bin ich tatsächlich unsäglich stolz auf den Sohn des Hauses – der glückliche Umstand, dass meine Männer sich selber auch in haushalterischen, vormals bekannt als typisch weiblichen Verrichtungen, zu Hause fühlen und nicht alles an mir als einziger Frau im Haus hängen bleibt, empfinde ich als I -Tüpfelchen in den Anleitungsschachzügen die mir als Mutter eines Sohnes gelungen sind. Wo also liegt der Haken?
„Du hast keine Tochter.“
OK das stimmt.
„Uns töchterlosen Mütter fehlt eine der wichtigsten Erfahrungen: wir konnten/durften nie weitergeben was uns selber am Nächsten liegt: das Mutter sein.“
Hopperla.
„Oder willst du mir etwa weismachen, du hättest mit deinem Sohn Puppenwindeln gewechselt, ihm gezeigt wie eine Puppe beim Schöppele zu halten ist, damit die Milch im Schoppenfläschchen nur langsam in den Puppenmund träufelt, oder hast du ihm gar beigebracht wie er Puppenkleidchen anziehen soll damit diese Geschöpfchen nicht dauernd nackt herumliegen? – Siehst du, all das hast auch du nicht geschafft.“
Ich bin platt. Bei uns liegen gar keine nackten Puppen rum.
„Das ist ja die Krux – du Puppen- und Tochterlose Mutter konntest dich nicht mal im Grossmutterwerden üben. „
Leeres Schlucken. Learning by doing wird auch in dem Fall passend sein, füge ich kleinlaut hinzu, während ich im Gesicht meiner Freundin das erlösende Augenzwinkern suche.
Sie schaut mich ernst, fast bekümmert, an und erklärt mir, dass sie sich überlege eine Selbsthilfegruppe für töchterlose Mütter aufzubauen.
Endlich pruste ich lauthals los.
Sie stimmt mit ein – von Lachkrämpfen windend liegen wir uns in den Armen. In der Erholphase erklärt mir aber die Beste, dass sie dies alles üüüüberhaupt nicht zum Lachen finde.
Item, seither sind Wochen vergangen.
Das kleine Mädchen schleppt nackte Puppen herum.
Ich stricke Puppenkleidchen und will der Kleinen zeigen wie sie ihre Puppen problemlos anziehen kann –
in vielen, vielen, vielen Jahren, dann wenn ich mal Grossmutter werden sollte, will ich ja nicht ganz unvorbereitet dastehen ;-)