30/11/2007 Farben aller Emotionen
Eigentlich sollte Swisscom ihre treuen Kunden, für all die verplämperte Zeit die gut erzogene Menschen mit Abhören jedwelcher Versen der Konkurrenz verbringt, mit einem gehörigen Bonus beschenken.
Um es klar zu stellen: auch ich bin am günstig Telefonieren interessiert – aaaaber die aufdringlichen Werbeslogans bei denen die lückenlos dahinschwafelnden Telefonistinnen mein Name bei jeden zweiten Satz nennen muss, damit ich dumme Nuss ja nicht vergesse, dass gerade ich von ihrem Superangebot profitieren kann und die mir mit ihren wild in den Text gestreuten ‚nicht wahr’ immer und immer wieder eine Zustimmung abringen will, irritiert mich derart, dass ich mit Freuden meine sauer verdienten Fränkli auch in Zukunft der swisscom in den Rachen schieben will.
Neinein ich nerve mich nicht, ganz im Gegenteil: ich konstatiere, dass das Leben mich allmählich wieder in Beschlag nimmt und dass ich noch immer schallend lachen kann…
staunen, plaudern, lachen, zuhören,
Treppen klettern rauf und runter,
versteckspielen, auskundschaften,
Neues entdecken, quietschen, naschen,
knuddeln, schaukeln, kochen, essen,
trinken, werweisen, Entscheidungen fällen,für die nahe Zukunft planen,
freuen, lieben, zusammensein -
Leben findet heute statt.
apropos: T.M.s heutiger Eintrag passt so gut zum eben Erlebten ...
In einem der Schublädchen vermute ich passende Kuverts für ein paar eben geschriebene Briefe. Stattdessen halte ich unvermittelt Fotos von dir in den Händen – ein Abschiedsgruss der ganz speziellen Art! Danke, danke, danke

Fazit:
immer und überall Fotos zu knipsen hat schon sein Gutes… sie nicht immer ins Album zu kleben auch - nur so kann ...
So fern und doch ganz nah sind die Menschen, um die wir weinen.
Sie sind fern aller Trauer, fern aller Dunkelheit, fern allem Leid
und so fern unserer Welt.
Sie sind ganz in Freude, ganz im Licht, ganz in der Liebe
und ganz nah unserem Herzen. Irmgard Erath
Ob ich will oder nicht: das Leben behält seine Geheimnisse für sich.
Natürlich kann ich Pläne schmieden und Vorhaben minuziös planen – trotzdem bleibt die Verwirklichung meiner Zielsetzungen bis zur letzten Sekunde ungewiss.
Leben lässt sich nicht wirklich vorausbestimmen.
Mich dem widmen was das Leben aktuell von mir fordert - mich nicht hinter Aktivismus verschanzen... vielmehr hören, sehen und spüren für was im Moment meine Zeit da ist und mich genau dem hingeben.
Ein zwölfjähriges Mädchen war ich, als du zu uns stiessest. Ein kleines rotes Hämpfelchen mit schon ziemlich langen dunklen Haarschübelchen und zarten Fingerchen die sich sofort um meinen ausgestreckten Zeigefinger schlossen. Schon im Voraus habe ich aus zarter Wolle ein Ausgehjäckchen für dich gehäkelt mit dazupassendem Mützchen notabene – deine Mama staunte über die sorgfältig arbeitende Zwölfjährige und wählte dieses Kleidchen für deine Taufe – unvergesslich diese Ehre für mich als Mädchen – vor allem war ich aber sehr beglückt in dir jemanden zuhaben den ich von Herzen verwöhnen konnte: ein richtiges, richtiges Familienbaby.
Ausfahren mit dem Babywagen - Schöppele – Banane mit Joghurt mischen – vom Taschengeld Esslätzchen für jeden einzelnen Tag einkaufen – dich herzen und vermüntschelen – mit dir umherkrabbeln – deine ersten Schrittchen begleiten – staunen dass deine ersten Worte tatsächlich auf französisch daher kommen, grad so wie bei deiner Mama – sich wundern über die Vielzahl deiner kleinen Autos – Spazieren gehen - Schaukeln – deine Geburtstage feiern – und plötzlich ein abrupter Schnitt: deine Mama und dein Papa trennten sich. Trauer – wir sahen uns vorerst nur noch spärlich. Manchmal, wenn niemand anderer zur Verfügung stand, duften wir dich für einen Tag bei uns zu Hause haben: mit Bauklötzen die höchsten Türme bauen, zusammen lachen, zeichnen, den Hund Gassi führen, französisch parlieren, Gelächter auskosten und trauern wenn du am Abend wieder zurück zu deiner Mama gingst. Du gehörtest doch auch zu uns…
Während meiner Ausbildungszeit hat dein Papa dich manchmal an einem Samstag mit ins Geschäft genommen. Du nanntest dich „le petit Souchef“ Mama brachte dir dies bei, und du stauntest darüber wie gekonnt wir unsere Arbeit taten: das wolltest du auch einmal können. Es folgten Jahre der Ferne weil wir uns im Ausland engagierten. Du musstest andere, erschütternde Entbehrungen hinnehmen: auf einmal gab es deine Mama nicht mehr. Jetzt begann dein Leben an der Seite des Vaters. Wir begegneten uns wieder etwas öfter. Die Zeit der Kindheit war definitiv zu ende. Du wähltest später den gleichen Beruf wie dein Herr Papa, verfolgtest weitere Studien in der Meisterschule, wurdest erfolgreich, bliebst aber immer der charmante, liebenswürdige, humorvolle und feinfühlende Souchef der seine Lausbubenhaftigkeit vordergründig nie ganz abschütteln wollte. Dein Lachen tat wohl. Heirat mit dem patentesten Mädchen der Welt, reisen, geniessen, arbeiten, arbeiten, arbeiten uuuund einen Sohn zeugen. Gegen Krankheit rebellieren, Leben auskosten, rundum alles Perfekt hinkriegen wollen, dabei merken dass nicht alles unter einen Hut zu bringen ist uuuund daran verzweifeln.
Heute haben wir von dir Abschied genommen. Dich hergeben zu müssen ist für uns alle sehr, sehr schmerzlich – heute ist der allerschwärzeste Tag meines Leben.
Wie würde Leben sein,
wie würde die Welt aussehen,
wenn jeder einzelne Mensch in seinem tiefsten Inneren das felsenfeste Bewusstsein hätte,
bedingungslos geliebt zu sein?
Betroffen steh’ ich da
und höre von deinem Weggang.
Dein Entscheid ist so schwer zu fassen.
Tausend Gedanken jagen sich.
Wie leicht wäre es zu glauben, jeder sei nur für sich selbst verantwortlich.
Beiträge
1 -
10
/21 |